Black

Am Samstag, 30.11. war fulminante letzte Vorstellung von „Victor“. Für spontanen musikalischen Ausklang sorgte eine handvoll spontan verlesener exzellente Musiker der „Express Brass Band“.

Bald wird der letzte produktionsbegleitend entstandene Film hier auf der Seite erscheinen.

Das gabs: begeisterte Gesichter entsetzte, ratlose – standing ovations, Bravorufe und auch mal fast gar kein Applaus. Immer viel Schweiß, tote (und dann anderntags wiederauferstandene) Haustiere und Kinder – Langeweile, Ruhe, Durchhänger, aber auch lautes Geschrei und Rock n Roll. Veränderte Enden. Am Schluss ist sogar unser Abendtechniker musikalisch live beteiligt. Angesteckt vom Irrsinn der Ratlosigkeit und der Träume. Jede Vorstellung einzigartig.

Jetzt möchte ich doch noch mal einen expliziten Dank aussprechen:

An Claudia Karpfinger und Katharina Schmidt dafür dass sie den ehemaligen Puff zu einer burgeoisen Tanzlandschaft verwandelt haben und die Kostümierung der dortigen Gesellschaft, Tine Hagemann für den hinreißenden Hamsterkopf, Neil Vaggers für die großartige Musik, Verena Richter für textliche Kulturverteilwirrungen und saxophonistische sowie perkussive Höchstleistung, Laura Mangels dem dramaturgischen Gehirn, Jo Hübner für das famose Lichtdesign, Ilaria Grillo meiner Assistentin und Jakob Egenrieder für Handkamera und die zuverlässig knatternde Dicke Doris. Max und Bogdan für Abendtechnik, Basteleien, virtuose Technikorganisation und maximalcharmantes Mundharmonikaspiel. Andreas Seyferth und Margrit Carls für die Möglichkeit. Und den wahnsinnigen Sieben: Rainer Haustein (schwersttraumatisiert hinterlassen – sorry lieber Rainer) Melda Hazirci (das ist kein Scherz, das ist ein Leiden!) Peter Papakostidis (morgen reparierst du den Spiegelschrank!) Verena Richter (mit Faden!) Sarah Schuchardt (Aaaahhhhrg!), Neil Vaggers (so ein Vogelschiss!) und Alexander Wagner (der uns leider frühzeitig verlassen musste – gute Besserung!) – ihr seid/wart ein wunderbares Ensemble. Vielen Dank für eure Geduld und kreative Energie. Ihr alle habt diese meine erste größere Regiearbeit möglich und ausgemacht. Danke.

DADA WILL LIVE FOREVER

Arno Friedrich

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outtakes vom Heimweg der Übriggebliebenen

Fotos vom Konzert am 15.11.2019

Was für ein grandioser Abend! Am Freitag den 15.11. waren OTTO & DER RAUSCH + DIE MAGISCHE BAND (Wien / Freiburg) bei uns zu Gast und gaben eines ihrer Konzerte der aktuellen Tour nach der Vorstellung im Bühnenbild von „Victor“ – hier eine Fotoauswahl:

MUSIKALISCHES SPEZIAL

Freitag, 15. 11. 2019 // 22:00 Uhr // Theater Viel Lärm um Nichts / im Anschluss an die Vorstellung

Eintritt: 10,- ACHTUNG: NUR ABENDKASSE IM THEATEREINGANG! – Reservierung nur für die Vorstellung vorher möglich.

„OTTO & DER RAUSCH + Die Magische Band“ auf MALEFIZ-TOUR

„Ich nehme ja gern die Säge. Ist melodischer!“ Im Anschluss an die Vorstellung von „Victor oder Die Kinder an der Macht“ am Freitag den 15. November geht es musikalisch passend weiter:

Liebevolle Sauerei und stilvolle Anarchie prägen seit einem halben Jahrzehnt das Schaffen von „Otto & der Rausch“. Erdige Blues-Riffs erblühen unter der Hand des Gitarristen Jonas Rausch zu kleinen Klangjuwelen, die spielend einen Bogen zwischen Psychedelic Rock und Funk schlagen, um schließlich in jazzige Sphären abzuheben. Otto Beckmann entführt das Publikum mit schwarzem Wiener Schmäh in die abseitigen Regionen seines Gehirns.
Zum ersten Mal tritt das Duo zusammen mit der „Magischen Band“ live auf, jenen exzellenten Musikern, die auch auf der aktuellen EP „Schilcher schiffen im Schilf“, für ein üppiges, dynamisches Klangerlebnis sorgen. Wiener Blues für einen schlechten Zweck.

Antworten & Fragen

Neil Vaggers ist Musiker und hat die Musik für „Victor oder die Kinder an der Macht“ geschrieben und arrangiert.

How did you create the music for „Victor“? 

I learnt from an interview with David Bowie to record ideas or write them down straight away, as quickly as they come, even if it’s 3o’clock in the morning! Trying to remember a lost idea is like trying to remember a dream. I work this way and my intuition, spontaneity and experience work with me.

It is a great pleasure for me to move in Theater with a team of talented and creative artists and watch the way ideas develop into songs and then into parts of an ever changing, live, living performance. With thanks to the Rolling Stones and the voice of Macedonia. Pas plus Pille Palle. 

Neil Vaggers 09.2019


Claudia Karpfinger und Katharina Schmidt haben neben den Kostümen auch die Bühne für Victors Geburtstagsfeier entworfen.

Wie seid ihr vorgegangen, um diesen Ort zu erfinden? 

Wir haben versucht einen Ort für das bürgerliche Leben im Stück zu finden, ohne jedoch einen Salon oder ein Schlafzimmer eins zu eins abzubilden.

Gleichzeitig wollten wir einen Raum kreieren, der Situationen, die in dem Stück vorkommen, ermöglicht. Wir entschieden uns für eine Bühne, in der durch Höhenunterschiede eigene kleine Räume entstehen – jedoch ohne den Bezug zueinander verlieren. Während Victor beginnt, seine Eltern herauszufordern, befinden sich alle Figuren stets im selben Raum und doch an unterschiedlichen Orten. 
Beim gemeinsamen Konzipieren wurde uns schließlich klar, dass wir die Umgebung für das Stück als einen angemieteten Tanzschuppen erzählen wollten, als etwas in die Jahre gekommene Disco. Dafür haben wir unterschiedlichste Elemente zusammengeführt. Eigentlich wollten wir sogar die „Busentapete“ aus dem ehemaligen X-cess an die Wände kleistern. Es wurde dann schließlich eine riesige Discokugel-Tapete, designed by Barbara Becker. 
Als wir bei der Recherche auf den folgenden, durch die Band FSK bekannten Spruch stießen, wussten wir, dass wir auf der richtigen Spur sind: 
Heute Disco Morgen Umsturz Übermorgen Landpartie.


Tine Hagemann ist Puppenbauerin und Puppenspielerin. Für „Victor oder die Kinder an der Macht“ hat sie Victors Hamstermaske gebaut.

Was war dir beim Bauen dieser Maske wichtig und wie hast du Victors Gesicht gestaltet?

Ich wollte, dass der Kopf des Hamsters so aussieht, dass man darunter keine Haut und kein Fleisch sehen kann. Der Mensch sollte hinter dieser Hamstermaske nicht mehr zu sehen sein. Bei einer Puppe baue ich ein ganz eigenes Innenleben. Bei einer Maske ist das anders, schließlich befindet sich darunter oder dahinter ein Mensch. Damit die Maske möglichst gut passte, habe ich mit einem Gipskopf gearbeitet und die Maske an den Körper des Victor-Darstellers angepasst.

Um das Gesicht des Hamsters zu gestalten, habe ich versucht die Proportionen eines Hamstergesichtes in die Maske zu übertragen. Doch Victor sollte kein schöner Feld- und Wiesenhamster sein, sondern ein etwas runtergekommener Straßenhamster aus dem Gulli. 

(die Interviews wurden geführt von Laura Mangels)

Ein Gespäch zwischen DADA und heute

Roger Vitrac: Ich höre schon: „Diese Wiederaufnahme, lohnt sich das?“ Ist das Werk veraltet? Der Autor ist älter geworden. Man sagt, das Alter flöße Ehrfurcht ein. Sicher. Aber aller Beginn liegt bei der Jugend…

König Ubu: Merdre! Schoiße!

Emilie Paumelle: Hört Victor! Er kann antworten! Er möchte antworten!

Therese Magneau: Ich hasse altkluge Kinder.

Greta Thunberg: Wenn ein paar Kinder auf der ganzen Welt Schlagzeilen machen können, indem sie einfach nicht zur Schule gehen, dann stellt euch vor, was wir gemeinsam erreichen könnten, wenn wir es wirklich wollen würden.

Charles Paumelle: Ich weiss nicht, warum alles auf einmal in die Brüche geht. Ich verstehe dies ganze Theater nicht.

Roger Vitrac: Und warum diese Grand Dame? Warum nicht eine Sphinx?

Victor: Die Frau aß ein Stück Brot 

J. L., Autor*in der Zeitung „L’Ami du peuple“: Nach einem ersten, sehr gut gespielten Akt, in dem die Figuren lebendig dargestellt waren, geriet das Stück im Schlepptau von Victor, einem frühreifen und perversen Kind, auf befremdliche Abwege!

Roger Vitrac: Victor ist vielleicht ein peinliches Werk. Und ich weiß sehr wohl, dass Verlegenheit der Feind des Vergnügens ist. Aber wer hindert das Publikum, sich sein Vergnügen auf Kosten des Autors zu holen?

Antonin Artaud: Dein Stück wird vollständig gespielt. All Deine Personen sind sehr wunderlich, voller Reize, Absonderlichkeit, verblüffend vor Lebendigkeit… trotzdem würde man gern sehen, dass sie etwas tun.

Emilie Paumelle: Aber setzt euch doch.

König Ubu: Schoiße! Ja!

Emilie Paumelle: Aperitivo? 

König Übu: Lecker Aperitivo!

Monsieur XY, der bei der Uraufführung eine Stinkbombe auf die Bühne warf: Ich habe bei der Uraufführung eine Stinkbombe auf die Bühne geworfen und würde dies jederzeit wieder tun.

Lucien Descaves, französischer Journalist: Ist ihnen aufgefallen, dass die Hauptrollen, die neun und sechs Jahre alt sind, von Schauspielern dargestellt werden, deren Wachstum seit langem abgeschlossen ist; das ist schon komisch. 

Victor, neun Jahre alt: Ich bin kein Kind! Es hat nie Kinder gegeben! 

Antonin Artaud: Mein lieber Vitrac, Deine Arbeit sollte jetzt abgeschlossen und die Broschüre hergestellt sein. All das ziehst sich schon zu lange hin. Kommen wir zu einem Ende. Ich habe genug.